Mit einer eindrucksvollen kämpferischen Leistung entführten die Blue Stars Frauen beim Tabellenführer AS Gambarogno einen Punkt. Bis in die Nachspielzeit standen die Zeichen gar auf Sieg, und zwar obwohl der Schiedsrichter zuvor 90 Minuten lang alles unternommen hatte, um das Heimteam zu bevorzugen, eine "Dienstleistung" wohlgemerkt, welche die Gastgeberinnen nicht bestellt hatten.
Dank einiger spät Entschlossener konnten wir doch noch mit einem ansehnlichen Aufgebot ins sonnige Tessin reisen, nachdem es lange danach ausgesehen hatte, als würde sich nur eine Rumpfequipe für die Reise zusammenfinden. Das Team hatte einiges unternommen, um die frustrierende Begegnung mit Toggenburg aus der Vorwoche aus dem Kopf zu kriegen. Am Dienstag hatte Captain Mara Tickets für das WM-Qualifikationsspiel Schweiz-Türkei im Letzigrund besorgt, welches nach Viola Calligaris' 3:1 und den beiden vorausgegangenen Treffern von Ex-Blue-Stars-Juniorin Aurélie Csillag zu einer richtigen Party geworden war. Auch die Anreise zum Campo Sportivo Regionale Magadino packte das Team neu an und reiste mehrheitlich mit dem Zug an - es war eine entspannte Reise von nur gut zwei Stunden zum günstigen SBB-Gruppentarif.
Aber kommen wir zum Spiel: Die besonderen Vorbereitungen hatten Wirkung gezeigt. Die Blausterne waren heiss auf das Spiel und legten gleich von Beginn an richtig los. Die Gastgeberinnen wirkten dagegen am Anfang etwas behäbig und schafften es nicht, die Initiative zu übernehmen. Ein Schock war für sie das 0:1 von Sylwia, die in der 7. Minute über die linke Seite zur Grundlinie vorgestossen war. Ihre Flanke mit den linken Fuss erhielt den perfekten Drall und landete via den zweiten Innenpfosten im Kasten von Goalie Giulia Acar. Danach war das Hauptthema der parteiische Schiedsrichter, der insbesondere mit zahlreichen Freistoss-Fehlentscheidungen das Heimteam ins Spiel zurückbrachte. Ausser Aluminium-Treffern schaute dabei allerdings nichts heraus. Die Fans zuhause am "Marga TV" witterten Betrug, aber die Blausterne hielten kräftig dagegen. Leti kam nach der Halbzeit für die angeschlagene Sylwia aufs Feld, welche seit längerem von Leistenproblemen geplagt wird. Gewisse Sorgen machten wir uns, als auch Ale von Krämpfen geplagt wurde. Die eingewechselte Leo von Moos liess sich aber vom Kampfgeist des Teams anstecken und zeigte eine ihrer besten Leistungen. Die Fehlentscheide wurden nicht weniger, aber auch Sonias Paraden nicht, die man hier gar nicht alle aufzählen kann.
In der Nachspielzeit führte dann eine turbulente Szene doch noch zum Ausgleich. Als Torschützin wurde Stella Suter angegeben, aber auch auf den Veo-Bildern ist schwer zu erkennen, wer zuletzt dran war. Symptomatisch auch danach das Treiben des "Unparteiischen": Zuerst pfiff er einen klaren Penalty nach einem Foul an Lisa nicht (92.). Der Abpfiff sodann kam nach den angekündigten 4 Minuten Nachspielzeit einfach nicht, und als er dann doch ertönte, hätte Anja gerade allein mit dem Ball aufs gegenerische Tor ziehen können.
"Voglio uno scandalo", sang einst Gianna Nannini. Darauf hätten wir gerne verzichten können. Die Mätzchen des Schiri waren umso erstaunlicher, als auch das Heimteam offensichtlich überrascht war vom Gebotenen und es mit Ausdrücken kommentierte, von denen "desastroso" noch am zurückhaltendsten war. Wir glauben unseren Sportsfreundinnen aus dem Tessin, dass sie mit dieser seltsamen Art von Regelinterpretation nichts zu tun hatten. Gambarogno hat so etwas auch gar nicht nötig, wie nicht nur ihre überzeugenden Auftritte, sondern auch ihre klare Führung in der Tabelle zeigen. Nicht vergessen wollen wir dabei, dass auch wir als Vereine in der Pflicht sind. Die vielen jungen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die wir bei den Blausternen in den letzten Jahren engagieren konnten, tragen hoffentlich mittelfristig dazu bei, das Problem zu entschärfen (danke, lieber Franz!).
AS Gambarogno - FC Blue Stars Zürich Frauen 1968 1:1 (0:1)
SR Jovo Marianovic