Nach dem gelungenen Spiel gegen Oerlikon/Polizei standen die Vorzeichen eigentlich gut. Doch die Gala im Tessin fiel buchstäblich ins Wasser - in jeder Beziehung.
Es begann schon mit der Wetterprognose. Für die ganze Schweiz und besonders fürs Tessin war Dauerregen angesagt. Gewisse Medien hatten sich in ihrem dieses Jahr gepflegten Stil noch übertroffen und garnierten die angeblichen Erdrütsche im Tessin mit Bildern aus Norditalien. Bei uns kamen dadurch Sorgen auf, ob die Reise überhaupt durchgeführt werden sollte. Gambarogno-Trainer Giorgio antwortete nur cool, im Tessin regne es oft so, und überhaupt verfüge man über einen Kunstrasen. Also trafen wir uns wie gewohnt im Hardhof und fuhren wie schon im Herbst zum zweiten Mal mit Mareks Flixbus ins Tessin. Wegen des Staus am Nordportal nahmen wir die eindrückliche Route über den Gotthard-Pass, und als wir auch den Stau bei Cadenazzo hinter uns gebracht hatten, waren wir eine Stunde vor Spielbeginn vor Ort. Natürlich gab es von Erdrütschen auf der ganzen Strecke nicht die geringste Spur.
Der gute Schiedsrichter Roberto Ferrari konnte so die Partie fast pünktlich anpfeifen. Bei uns steckte allerdings der Wurm drin. Es lag bestimmt nicht am Willen der Spielerinnen, die zu Beginn ganz gut kombinierten und alles taten, um dem Regen und manchmal auch der harten Spielweise der Gastgeberinnen zu trotzen. Technisch führten die Blues die etwas feinere Klinge, aber die Tessinerinnen kamen mit dem Wetter und dem Kunstrasen insgesamt besser zu recht als wir. Eine Reihe von Eckbällen gegen uns war die Folge, die zum Glück alle ungefährlich blieben. Fast zum Erfolg hätte allerdings ein herrlicher Freistoss des Heimteams aus 25m in der 28. Minute geführt, den Joëlle aber ebenso herrlich über die Latte faustete. Ein schönes Spiel war es nicht, dafür waren die Zuspielfehler auf beiden Seiten zu zahlreich. Shannon sagte nach dem Match, zeitweise habe sie beim starken Regen kaum mehr etwas sehen können. Auch der Wind machte ein präzises Spiel nicht einfacher. Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte das Heimteam durch seinen rechten Flügel Swami Giada Maderna in Führung gehen: Dem Durchbruch war ein Abspielfehler vorausgegangen, Joëlle konnte den ersten Schuss noch abwehren, musste ihn aber nach vorn abprallen lassen, so dass der Torschuss nicht mehr schwierig war. Die Blues versuchten weiterhin alles, kamen auch zu Freistössen und zur einen oder anderen gefährlichen Aktion. Ein Flügellauf Domis mit einem herrlichen Pass zu Noëmi führte nur zu einem Abschluss knapp neben das Tor, aber Roberto Ferrari hatte ohnehin - ausgezeichnet postiert und daher wohl richtig - auf Abseits erkannt. Ein Konter besiegelte dann das Schicksal der Gäste. Ihrer gefährlichsten Angreiferin Elizabeta Krsteva kam in der 89. Minute aber auch der Gegenwind zu Hilfe, denn der hohe Ball hätte sich sonst kaum hinter Joëlle unter die Latte gesenkt.
Trotz der enttäuschten Gesichter bei den Blues zum Schluss überwogen letztlich die positiven Eindrücke. Es war nur schon wie ein Weihnachtsgeschenk, endlich wieder zu unseren Fussballkolleginnen ins Tessin reisen zu dürfen. Die Mannschaft hat trotz allem gezeigt, was in ihr steckt. Dass es nicht läuft, wenn es nicht läuft, ist keine neue Weisheit, und die Niederlage ist weiss Gott kein Beinbruch. Das Heimteam hat auch gewonnen, weil es aus seinen Möglichkeiten mehr gemacht hat als wir aus unseren. Da kann man nur gratulieren und versuchen, es ihnen nächstes Mal nachzumachen. Amiche ticinesi, grazie per la partita.